Drohender Lehrermangel in Österreich
Ausgebildete Lehrer ohne Job, arbeitslose Pädagogen, junge Lehrer in der Warteschleife … – mit diesen Floskeln konnte man die Situation junger Lehrer vor einigen Jahren beschreiben. Was damals als „Studium ohne Jobaussichten“ galt, ist heute zukunftsreicher denn je – das Lehramtsstudium.
Die österreichische Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) warnt vor einem drohenden Lehrermangel und setzt folglich auf mehr Studenten in Sachen Lehramt, Pädagogik und Erziehungswissenschaft. Bereits jetzt tun sich die ersten Anzeichen eines bevorstehenden Lehrer-Defizits in weiten Teilen des Landes auf: Ausgewählte österreichische Bundesländer holen pensionierte Lehrer zurück ins Klassenzimmer, sich noch in Ausbildung befindende Pädagogen werden vermehrt als Aushilfen eingesetzt und sogar Praktika ohne pädagogisch fundierte Ausbildung werden angeboten, um die zahlreichen Lücken in österreichischen Klassenzimmern zu füllen. So erschließt sich natürlich auch der Grund, weshalb viele Lehrer sogar mit 65 Jahren und aufwärts unterreichten – eben genau daher, weil nicht genügend Junglehrer nachkommen.
Der Lehrberuf ist also attraktiver denn je – man könnte fast sagen, dass es sich dabei wahrlich um einen Beruf mit erfolgreicher Zukunft handelt. Dieser Meinung sind genau genommen auch sowohl Vertreter öffentlicher Bildungseinrichtungen als auch Lehrervertreter. Statistiken zufolge steht an österreichischen Schulen eine gigantische Pensionswelle bevor. So wird bis 2025 die Hälfte der in Österreich derzeit beschäftigten 120.000 Lehrer in Pension gehen – eine Tatsache, die nicht ganz außer Acht gelassen werden sollte. Weiters konnte ermittelt werden, dass die bevorstehenden Pensionsantritte Engpässe in allen Fächern verursachen werden. Ganz egal also, für welches Unterrichtsfach man sich als Lehramtsstudent bzw. Lehramtsstudentin entscheidet – auch jene Unterrichtsfächer wie Deutsch, Geschichte, Psychologie, Englisch und Co., die in den letzten Jahren als nicht zukunftsreich galten, sind wieder attraktive denn je. Vor allem aber zeichnen sich Engpässe in naturwissenschaftlichen Fächern wie beispielsweise Mathematik, Chemie und Physik ab. Aber auch Musik und Leibesübungen stellen Gegenstände dar, in welchen „Lehrernachschub“ dringend gefordert wird.
Das größte Minus jedoch, man glaubt es kaum, verzeichnen Volksschulen. Laut Statistiken treten im Jahr 2011/12 rund 130 Volksschullehrer ihre Pension an - eine Zahl, die zahlreiche Volksschulen Österreichs leer werden lässt. Hierbei sei außerdem erwähnt, dass nicht nur die frei werdenden Lehrstellen nachbesetzt werden müssen, es müssen zudem zusätzliche Lehrerarbeitsplätze geschaffen werden – dies im Hinblick auf die kontinuierlich steigende Anzahl an Taferlklasslern.