PISA-Studie: Deutschschwächen durch Chat-Sprache

Die schlechten Ergebnisse der PISA-Studie 2010 für Österreich haben das Vermutetet nun tatsächlich bestätigt: Erneut musste Österreich und damit auch Unterrichtsministerin Claudia Schmied feststellen, dass Österreichs Schüler erhebliche Schwächen aufweisen. Damit bezeichnet Schmied die durchgesickerten Österreich-Ergebnisse als „schlecht, sogar sehr schlecht“. Laut Schmieds Aussagen nutze Österreich das vorhandene Potenzial seiner Schüler nicht.

Summarisch lassen sich die schlechten Ergebnisse der PISA-Studie klar und deutlich auf den Punkt bringen: Österreichs Schüler sind beim Lesen auf Platz 31 abgestürzt – ein Ergebnis, das für die gute Bildungspolitik Österreichs eigentlich gar nicht typisch ist. Woran liegt das erneute schlechte Ergebnis des österreichischen Staates im Rahmen der PISA-Studie? Wir haben nachgefragt und Experten aus den Bereichen Bildung, Bildungsforschung, Schule und Studium interviewt.

Experte 1: Die deutsche Sprache ist wahrhaftig keine einfache Sprache – für Muttersprachler jedoch sollte dies nicht so schwierig sein, dass unsere Schüler beim Lesen auf Platz 31 abstürzen. Besonders das Lesen versteht sich als Grunddisziplin der allgemeinen Bildung, die bereits in der Volksschule zu 100 Prozent gefestigt werden sollte. Ich bin der Meinung, dass die Lehrinhalte seitens der Lehrkräfte den Schülern nicht verständlich übermittelt werden können. Zudem mangelt es an Motivation der Lehrkräfte selbst, die es einfach nicht schaffen, die Schüler für ihr eigenes Fach zu begeistern. Demnach sinkt nicht nur der Wille etwas zu lernen, sondern vielmehr auch das Interesse für die verschiedensten Unterrichtsgegenstände sowie die Schule selbst.

Experte 2: Ich bin der Meinung, dass Technik, Computer und das allgemeine virtuelle Geschehen die wahren Auslöser für die schlechten PISA-Ergebnisse sind. Hierbei möchte ich vor allem die Thematik Online Chat erwähnen. Kinder und Jugendliche verbringen einen Großteil ihrer Freizeit im Internet, chatten mit Freunden, Bekannten und anderen Personen. Doch wie gestaltet sich diese Unterhaltung? Wird hierbei ein korrekter Dialog in deutscher Sprache geführt? – Nein, Kinder und Jugendliche kommunizieren einerseits im Dialekt und in der Mundart, andererseits werden Abkürzungen für Symbole, Begriffe und andere Termini verwendet. Sind Kinder und Jugendliche in der Rechtschreibung nicht zu 100 Prozent fit und unterhalten sich noch dazu im Dialekt, so kann dies zu erheblichen Deutschschwächen führen. Das Abkürzen von Wörtern und gewissen Begrifflichkeiten durch einzelne Buchstaben und Kürzel führt dazu, dass der eigentliche Lesefluss im Rahmen der normalen und korrekten deutschen Sprache unterbrochen wird. Somit ist es eigentlich die Chat-Sprache, die erhebliche Deutschschwächen bewirken kann – dies jedoch zum Großteil bei jenen Kindern, die zuvor bereits Schwachstellen in Deutsch hatten. Infolgedessen können durch eine nicht korrekte „Anwendung“ der deutschen Sprache etwaige vorhandene Schwächen weiter verstärkt werden.

Experte 3: Chatten, Simsen und wieder chatten – so gestaltet sich für viele Kinder und Jugendliche das ganz normale Alltagsgeschehen. Und gerade weil sich dieser Prozess Tag für Tag wiederholt, nämlich im Sinne des Mundart- und Dialekt-Chattens sowie des Simsens in Form von Abkürzungen, treten vermehrt Fehler und Schwachstellen – bezogen auf die deutsche Sprache – auf. Würden Kinder und Jugendliche, die generell bereits Schwachstellen in Deutsch aufweisen, in korrekter deutscher Sprache miteinander chatten und schreiben, so würde dies das allgemeine Sprachgefühl sogar trainieren und positiv beeinflussen. Doch mit Dialekt-Ausdrücken, falsch geschriebenen Wörtern und Abkürzungen wird genau das Gegenteil bewirkt. Bedenkt man diese Tatsache, so sind die schlechten PISA-Ergebnisse eigentlich gar nicht verwunderlich.