PISA-Studie: Österreich vs. Finnland
Seit 2000 findet jedes Jahr eine internationale Schulleistungsuntersuchung statt, mit deren Hilfe man Kenntnisse und Fähigkeiten 15 jähriger Schüler vergleichen und messen möchte. Diese PISA-Studie findet in allen OECD-Staaten (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und einigen Partnerländern statt, wozu auch Österreich zählt. Was die Bildung angeht, steht Finnland schon seit Jahren unangefochten sehr weit oben in der Tabelle und erzielt bei der PISA-Studie durchweg hervorragende Ergebnisse. Österreich hingegen ist meist weit abgeschlagen und kann sich in keinem der getesteten Themenbereiche mit Ruhm bekleckern.
Finnland schneidet in den drei Hauptdisziplinen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften immer in den Top 3 ab und wurde bereits mehrmals hintereinander Weltmeister in einigen Bildungsbereichen. Österreich konnte im Idealfall einen Platz im unteren Mittelfeld erringen und ist zeigte somit, dass das Bildungssystem in vielen Belangen reformbedürftig ist. Doch was ist der Unterschied zwischen Österreich und Finnland? Was zeichnet das finnische Bildungssystem so aus?
Finnland setzt unheimlich viel auf die Bildung jedes einzelnen Kindes. Im Gegensatz zu den meisten anderen europäischen Staaten besteht in Finnland kaum ein Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft eines Schülers und seinem Bildungserfolg. In Österreich hingegen werden Migranten nur unzureichend integriert, sprechen meist kein gutes Deutsch und können dementsprechend keine höheren Leistungen erzielen. Die skandinavischen Länder setzen sehr auf die individuelle Unterstützung und Förderung in den Schulen, haben hochqualifizierte Fachkräfte an den Institutionen, unterrichten in kleinen Klassen und stecken sehr viel Geld in die Forschung und Bildung. Bis zum 16. Lebensjahr erhalten die finnischen Schüler eine einheitliche Basisbildung, werden also nicht nach dem Leistungsprinzip selektiert und segregiert. In Österreich erhalten Kinder bereits nach der Grundschule erste Empfehlungen und werden entsprechend ihres Leistungsstandes in weitere Schulen aufgeteilt. Der Lehrerberuf wird in Finnland sehr geschätzt und dem Lehrpersonal eine hohe Autonomie zuteil, was in Österreich nicht unbedingt der Fall ist.
Dies sind nur einige der Unterschiede zwischen Österreich und Finnland, was doch zeigt, dass Österreich eine Menge Handlungsbedarf hat, wenn es in Sachen Bildung an die Finnen herankommen möchte.
Um einige Ergebnisse der letzten PISA-Studie aus dem Jahr 2009 zu nennen: Im Lesen landete Österreich nur auf Platz 31, während Finnland Platz 2 belegte. Auch in Mathematik konnten die finnischen Schüler den zweiten Platz behaupten, während Österreich nur den 18. Rang erzielte. In den Naturwissenschaften waren die Finnen 2009 Spitzenreiter, Österreich hingegen nur auf Platz 24.
Die Bildung in Finnland beginnt mit dem Gang zum Kindergarten. Kinder von 0 bis fünf Jahren werden hier von qualifiziertem Personal betreut und für die Schule fit gemacht. Die Vorschule ist freiwillig und kostenlos. Rund 97 Prozent aller Kinder in Finnland besuchen sie, denn es hat sich herausgestellt, dass die frühe Förderung sich allemal bewährt.
Die allgemeinbildende Schulbildung beträgt neun Jahre. In Finnland besteht jedoch keine Schulpflicht, das heißt, Kinder können auch daheim von geschultem Personal unterrichtet werden. Die Primarstufe beinhaltet die Klassen eins bis sechs, die Sekundarstufe die Klassen sieben bis neun. Anschließend besuchen zirka 3 Prozent der Schüler die zehnte Klasse, zirka 30 Prozent machen eine Berufsausbildung und über die Hälfte der Finnen streben eine höhere Bildung an. Sie gehen in die Sekundarstufe 2 über, welche ein dreijähriges Lernen am Gymnasium darstellt.
Das Abitur ermöglicht den Zugang zu höheren Bildungseinrichtungen, wie Fachhochschulen und Universitäten.