Sitzenbleiben abschaffen – ja oder nein?

Die Frage, ob das Sitzenbleiben in österreichischen Schulen bald Geschichte sein soll/wird, hat eine heiße Debatte in weiten Teilen des Landes ausgelöst. So plädieren SPÖ und ÖVP in einer gegenseitigen Einigung auf eine Quasi-Abschaffung des Sitzenbleibens, indem im Gegenzug sogenannte Kurssysteme in AHS (Allgemein Bildenden Höheren Schulen) sowie berufsbildenden mittleren und höheren Schulen eingeführt werden sollen. Während sich Die Grünen und das BZÖ mit diesem Vorschlag ebenfalls anfreunden können, sieht die FPÖ das Ganze als „linke Spaßpolitik“.

Die ÖVP zögert offenbar noch ein wenig mit ihrer endgültigen Zustimmung zum Vorschlag der Abschaffung des Sitzenbleibens, welcher von Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) hervorgebracht wurde.

Doch was würde die Abschaffung des Sitzenbleibens nun tatsächlich für das österreichische Schulwesen bedeuten? Ist es bei Zustimmung dieses Vorschlags möglich, in die nächste Klasse aufzusteigen – ohne ein Fach positiv absolviert zu haben? – Nein, genau genommen bedeutet dies, dass Schüler bei einer negativen Benotung in sogenannten Schlüsselfächern wie u.a. Mathematik, Fremdsprachen, Deutsch und Rechnungswesen nicht mehr die ganze Klasse, sondern nur ein einzelnes „Modul“ im Rahmen des Kurssystems wiederholen müssen.
Die FPÖ hat ihren Standpunkt bereits klar und deutlich zum Ausdruck gebracht: „Leistung, Anstrengung und Disziplin stehen beim Lernen im Vordergrund“. So verdeutlicht auch die Wiener FPÖ-Bundesrätin Monika Mühlwerth, dass ÖVP und SPÖ im Falle der Abschaffung des Sitzenbleibens nicht im Sinne der mehrheitlichen Meinung Österreichs handeln würden und es sich um jene beiden Parteien handeln werde, die „nach der nächsten Wahl sitzenbleiben werden“.

Wie bereits erwähnt, zeigt sich die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung mit dem Vorschlag der SPÖ und ÖVP, das Sitzenbleiben abschaffen zu wollen, als nicht besonders erfreut. Im Rahmen von Umfragen und Interviews sowie auch Posts und Beiträgen in Foren und Zeitungen äußerten sich viele Personen zur aktuellen Thematik:

  • „Schüler müssen also keine Leistung mehr erbringen, um eine Schulstufe positiv abschließen zu können. Was kann dabei gut sein, das Sitzenbleiben abzuschaffen und die Schüler zum Nichtlernen zu motivieren, wodurch sie während des gesamten Schuljahres keine Leistung und Anstrengung zeigen müssen?“
  • „Ich kann den Sinn hinter der Idee, das Sitzenbleiben abschaffen zu wollen, leider nicht verstehen. Schüler müssen in ihren jungen Jahren lernen, was es heißt, zu lernen, sich für das Lernen allgemein motivieren zu können und im Rahmen der Schule Ehrgeiz und Anstrengung zu zeigen. Dabei muss Schülern das Verständnis, für gute Noten bzw. einen positiven Schulabschluss auch etwas leisten zu müssen, profund und grundlegend näher gebracht werden. Dies kann durch die Abschaffung des Sitzenbleibens jedoch leider nicht geschehen, da Schülern damit vermittelt wird, dass sie mit einer negativen Note trotz allem in die nächste Klasse aufsteigen und negativ beurteilte Fächer im Rahmen des Kurssystems sowieso wiederholt werden können. Das Grundverständnis, für eine gute Bildung auch etwas tun und leisten zu müssen, kann Schülern durch ein Abschaffen des Sitzenbleibens meiner Meinung nach leider nicht vermittelt werden.“