PISA-Studie in Österreich – Chance oder Stagnation?

Die Schule steht immer wieder im Fokus. An Kritik mangelt es nicht. Wie viel ist den Schülern eigentlich zuzumuten? Geht es im Schulalltag zu lax ab? Sind die Lehrer oder auch die Eltern schuld, wenn die Kinder zu wenig leisten? Was können die Schüler eigentlich? Um dies herauszufinden, werden sogenannte Schulleistungsuntersuchungen durchgeführt. Dazu zählt auch die gefürchtete PISA-Studie. Auf die PISA-Studien in Österreich soll im Folgenden näher eingegangen werden.

Gemessen werden Kenntnisse und Fertigkeiten von Schülern

Die PISA-Studie (Programme for International Student Assessment) sorgt immer wieder für Furore – auch in Österreich. Doch sie ist weder die erste, noch die einzige Studie ihrer Art. Schon in den 1950er Jahren wurden große Schulleistungsuntersuchungen in internationaler Kooperation von Bildungsforschern durchgeführt. Zu den bekannteren Studien zählen:

  • die TIMSS-Studie über Mathematikleistungen in der Sekundarstufe I und II,
  • die PIRLS/IGLU-Studie (zur Lesekompetenz – in Deutschland zusätzliche Erhebungen zu Mathematik, Naturwissenschaften und Orthographie Zehnjähriger) und
  • die PISA-Studie zur Grundbildung Fünfzehnjähriger.

Grob umschrieben dienen Schulleistungsuntersuchungen, um die Kenntnisse und Fertigkeiten von Schülern zu messen, um die Leistung der Schulen und ihre soziale Reproduktion von außerschulischen Differenzierungen (soziale und ethnische Herkunft sowie Geschlecht) zu evaluieren.

PISA-Studie: Aber wozu?

Bei der PISA-Studie werden 15-/16 jährige Schüler in den Bereichen Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften in 67 Staaten geprüft und verglichen. Die Lesekompetenz wurde nach 2000 erst zum zweiten Mal erhoben. Die PISA-Studie wurde Ende der 1990er Jahre von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) initiiert, um Daten zur Qualität und Effektivität der verschiedenen Schulsysteme in den Mitgliedsstaaten zu erhalten. Inzwischen gilt die PISA in Österreich als ein fester Bestandteil der qualitätssichernden Maßnahmen im Bildungsbereich. Es soll eruiert werden, wie gut es den unterschiedlichen Schulsystemen in den Mitgliedsländern eigentlich gelingt, die Schüler auf die Herausforderungen der Zukunft und das „lebenslange Lernen“ vorzubereiten. In diesem Sinne werden die Kompetenzen in drei zentralen Bereichen gemessen:

  • Lesen,
  • Mathematik und
  • Naturwissenschaft.

Reines Faktenwissen spielt eine untergeordnete Rolle.

Schwerpunkte und teilnehmende Schulen in Österreich

Die PISA-Studie wird alle drei Jahre durchgeführt. Mit PISA 2009 hat der zweite Erhebungszyklus begonnen. 2000 und 2009 stand die Lesekompetenz im Mittelpunkt, 2003 und 2012 bildete Mathematik den Schwerpunkt und 2006 sowie 2015 die Naturwissenschaftskompetenz. Die Schwerpunkte wechseln sich demnach ab. Die Studie findet in jedem teilnehmenden Land in zufällig ausgewählten Schulen statt. Entscheidend ist, dass die Tests weltweit unter denselben Bedingungen stattfinden, insgesamt nehmen etwa 470.000 Schüler teil. In Österreich werden in der Regel ca. 5000 Jugendliche an etwa 200 Schulen getestet. Durchgeführt wird PISA in Österreich in allen Schultypen, die von 15-/16-Jährigen besucht werden, also in

  • Hauptschulen,
  • allgemeinbildenden und berufsbildenden höheren Schulen,
  • berufsbildenden mittleren Schulen,
  • Polytechnischen Schulen und
  • allgemeinen Sonderschulen.

PISA: Die Verantwortlichen in Österreich

In Österreich wird die Umsetzung des Projekts auf nationaler Ebene durch das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK) finanziert und beaufsichtigt. Österreichischer Vertragspartner und national für die Realisierung verantwortlich ist das Department Bildungsstandards & Internationale Assessments unter der Leitung von Dr. Claudia Schreiner. Die nationale Projektleiterin für PISA ist Mag. Ursula Schwantner. Zusätzlich zu den internationalen Expertengruppen gibt es in den Teilnehmerländern für jeden Kompetenzbereich nationale Expertinnen und Experten, die mitunter die PISA-Frameworks und die eingesetzten PISA-Aufgaben im nationalen Kontext begutachten. Nachdem sich in Österreich nach der PISA-Studie im Jahr 2000 noch Genugtuung breit machte, da deutlich besser abgeschnitten wurde als in Deutschland, wurde das Ergebnis aus 2003 als sehr negativ, wenn nicht erschreckend wahrgenommen. Der „PISA-Schock“, der andere Länder schon früher ereilte, ließ in Österreich demnach etwas auf sich warten, war dann aber heftig.

2009 ist Österreich in punkto Lesekompetenz unter den Schlusslichtern gelandet

In Österreich hat sich laut der PISA-Studie der Anteil der leseschwachen Jugendlichen seit 2000 deutlich verschlechtert. Im Jahr 2000 waren es noch 19,3 Prozent, 2003 dann 20,7 Prozent. 2006 erhöhte sich der Wert auf 21,5 Prozent und explodierte bis 2009 auf 27,5 Prozent. Von 2006 bis 2009 weist Österreich damit auch mit 6,0 Prozent die stärkste Steigerung unter allen EU-Ländern auf. Die EU-Bildungsminister haben es sich gemeinsam zum Ziel gesetzt, den Anteil der leseschwachen 15-Jährigen bis 2020 von 20 auf 15 Prozent zu reduzieren.

Im Dezember 2013 werden folgende Ergebnisse der PISA-Studie bekannt gegeben

Ob sich die österreichischen Schüler seit der Studie im Jahr 2009 verbessert haben, wird erst im Dezember 2013 verkündet werden. Dann werden nämlich die Ergebnisse und damit das Länder-Ranking bekannt gegeben. Nach mehr als einem Jahr Kodierung, Bewertung und Analyse wird nun bald wieder um das österreichische Schulsystem gebangt.

Bildung statt Pisa

Der Begriff „PISA“ steht für „Programme for International Student Assessment“, d.h. eine standardisierte Leistungsmessung zur Erhebung essentieller Bildungsindikatoren. Die PISA-Studie wurde Ende der 1990er-Jahre von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) initiiert, um Daten zur Qualität und Effektivität der verschiedenen Schulsysteme in den Mitgliedsstaaten zu erhalten. Über 60 Länder nehmen weltweit an dieser Studie teil, darunter alle 34 OECD-Staaten, die gemeinsam fast 90 % der Weltwirtschaft abdecken. Die Zielgruppe von PISA sind Kinder bzw. Jugendliche im Alter von 15/16 Jahren.

PISA-Studie – Gegner und Befürworter

Mittlerweile ist PISA in Österreich zu einem festen Bestandteil der qualitätssichernden Maßnahmen im Bildungsbereich, aber auch einer faktenbasierten Bildungspolitik geworden. Befürworter der PISA-Studie sind der Auffassung, es handle sich um eine attraktive Möglichkeit der Bestandsaufnahme des Wissens und der Fähigkeiten, die die Schüler im Lauf ihrer Pflichtschulzeit erwerben. Gegner vertreten die Meinung: Bildung statt PISA! Sowohl in Österreich als auch in Deutschland kann nicht von einem gelassenen Umgang mit den PISA-Ergebnissen gesprochen werden, wie das in anderen Ländern der Fall sein mag. Sowohl publizistisch als auch politisch gehen immer wieder die Wogen hoch, bevor und nachdem die Ergebnisse schwarz auf weiß dastehen.

PISA darf nicht zum Selbstzweck verkommen

Bildung statt PISA bedeutet: Es muss endlich konkret etwas für die Schulen und Schüler, aber auch für die Lehrer und Eltern getan werden. Die Schaffung kleinerer Klassen, die Einrichtung von Förderkursen für schwache und für hochbegabte Schüler sowie die Bewältigung des Lehrermangels gelten als wichtige Ansätze. PISA darf nicht zum Selbstzweck verkommen, ansonsten droht uns allen ein verarmtes Verständnis von Bildung. Denn Bildung ist mehr als das, was durch PISA-Studien messbar ist. Was hat PISA mit Fremdsprachen, Literatur, Geographie bzw. mit einer ethischen und ästhetischen Grundbildung zu tun? Mangelt es in den Schulen an Persönlichkeitsbildung und kultureller Bildung, sind die verheerenden Auswirkungen schon vorprogrammiert. Es kommt eben auch auf das Nicht-Messbare an! Die PISA-Ergebnisse sollten als interessante Diagnose eines Ausschnitts des schulischen Lerngeschehens aufgefasst werden – mehr schon nicht. Werden die PISA-Sieger aber auch zukünftig auf einen Sockel gestellt – ganz nach dem Motto „Alles in Butter“ – während die PISA-Verlierer in die unterste Schublade gesteckt werden – ganz nach dem Motto: Da ist Hopfen und Malz verloren – kann die PISA-Studie bestimmt nicht als Chance definiert werden.

Bildung ist nicht das, was PISA misst

Es scheint so, als würde das Bildungswesen unter dem Diktat von PISA und OECD immer mehr aus dem Gleichgewicht geraten – Harmonie hat sich bislang jedenfalls keine eingestellt. Bildung, Ökonomie und Kultur sollten sich die Waage halten, dem ist jedoch nach wie vor nicht der Fall. Egalitarismus, Machbarkeitswahn und Erleichterungspädagogik sind Schlagworte, die der Bildungspolitik zu denken geben sollten. Wer nämlich denkt, Bildung sei zu hundert Prozent messbar, tappt wohl im Dunklen und fördert auf seine Weise eine planwirtschaftliche Verarmung von Bildung. Bildung ist nicht das, was PISA misst oder die OECD an sogenannten Akademikerquoten vorgibt, sondern viel mehr als das!

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