Legasthenie und Rechtschreibschwächen

Nicht nur die PISA-Studien haben gezeigt, dass in Österreich viele Schüler Schwächen in punkto Schreiben und Lesen aufweisen. Wenn Kinder und Jugendliche diesbezüglich ihren Mitschülern hinterherhinken, muss dies aber nicht auf mangelnden Fleiß, Ehrgeiz und Einsatz hinweisen. Die Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) ist der Oberbegriff für alle Lernstörungen, die im Zusammenhang mit dem Erwerb von Schriftsprache stehen. Die betroffenen Kinder und Jugendlichen werden nicht selten einfach als faul und unwillig eingestuft, obgleich ihnen schlichtweg grundlegende Voraussetzungen für das Erlernen von Lesen und Schreiben fehlen.

Was ist Legasthenie?

Der Terminus „Legasthenie“ basiert auf dem lateinischen Wort „legere“ (lesen) und dem altgriechischen Wort „????????“ bzw. „asthéneia“ (Schwäche) – bedeutet also Leseschwäche. Es ist mitunter auch von Lese-Rechtschreib-Störung, Lese-Rechtschreib-Schwäche, Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten und kurz LRS die Rede. Dabei handelt es sich um eine massive und lang andauernde Störung des Erwerbs der Schriftsprache. Legastheniker haben Probleme, das Gesprochene in geschriebener Sprache festzuhalten und umgekehrt. Diverse Ursachen werden diskutiert, die auch in Wechselwirkung zueinander stehen können. Eine genetische Disposition kann ebenso verantwortlich zeichnen wie Probleme bei der auditiven und visuellen Wahrnehmungsverarbeitung, der Verarbeitung der Sprache und der phonologischen Bewusstheit.

LRS bzw. Legasthenie: Primärsymptome

Genauer gesagt ist die Legasthenie eine Sonderform der Lese-Rechtschreibschwäche (LRS). Kennzeichnend ist eine durchschnittliche bis überdurchschnittliche Intelligenz und eine auffallende LRS. Die übrigen Lernleistungen bleiben unbeeinträchtigt. Doch wie können Eltern und Lehrer feststellen, ob ein Kind oder Jugendlicher daran leidet? Wie kann sich eine Lese-Rechtschreibschwäche äußern? So einfach sind diese Fragen nicht zu beantworten, da die Erscheinungsformen einer LRS sehr vielfältig sind. Folgende Primärsymptome können auftreten.
Rechtschreibung:

  • Spiegelbildlich geschriebene Buchstaben,
  • falsche Buchstabenreihenfolge,
  • Buchstabenverwechslungen und -auslassungen,
  • das Hinzufügung von Buchstaben,
  • Verwechslung von harten und weichen Konsonanten,
  • sehr undeutliches Schriftbild.

Lesen:

  • Auffallend verlangsamtes Lesetempo,
  • holpriges, unrhythmisches Lesen,
  • fehlendes Lese-Sinnverständnis,
  • Verwechslung der einzelnen Buchstaben.

Wodurch äußert sich LRS noch?

Schüler, die an Legasthenie bzw. Lese-Rechtschreibschwäche leiden, können klingende Laute oft nicht voneinander unterscheiden. Unterschiede in der Raumlage können nicht wahrgenommen werden. Dazu kommt, dass das Gehörte und Gesehene nur schwer behalten werden kann. Eine fehlerhafte Rechts-links-Unterscheidung kann ebenso zum Tragen kommen wie Gleichgewichtsprobleme und Schwierigkeiten in der Feinmotorik oder Koordinationsfähigkeit. Oft weist ein schlecht leserliches Schriftbild auf LRS hin. Folgende Verhaltensauffälligkeiten und andere Begleiterscheinungen sind feststellbar:

  • Nervosität
  • Konzentrationsstörungen
  • Vermeidungsverhalten,
  • Wutausbrüche und Aggressivität,
  • psychosomatische Beschwerden
  • vermindertes Selbstwertgefühl und/oder auch
  • Schulangst.

Kann die Legasthenie behandelt werden?

Heutzutage kann die Legasthenie sehr effektiv behandelt werden, wenn sie frühzeitig erkannt wird. Präventive Maßnahmen vor dem eigentlichen Schriftspracherwerb oder im ersten Schuljahr sind von Erfolg gekrönt. Die Diagnose und Förderung der phonologischen Bewusstheit gelten als Basis für die folgenden präventiven Maßnahmen. Werden potentielle Schwierigkeiten erkannt und schnell angegangen, bevor Probleme im Schriftspracherwerb in Erscheinung treten, ist die Chance dem Problem Herr zu werden also groß. Experten gehen vielfach davon aus, dass die Hauptursache für Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und der Rechtschreibung in einem subtilen Sprachdefizit, genauer gesagt in einem Defizit der phonologischen Verarbeitung zu sehen ist. Eine Diagnose der Lese- und Rechtschreibentwicklung in den ersten vier Schulstufen ist beispielsweise anhand des Salzburger Lese- und Rechtschreibtests (Landerl, Wimmer & Moser, 1997) möglich.

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