Deutschschwächen durch Chat Sprache

Österreich ist bei der PISA-Studie 2009 im Bereich Lesen wesentlich abgestürzt. Die österreichischen Schüler konnten bei der Lesekompetenz nur noch 470 Punkte für sich beanspruchen. Österreich rangierte damit unter den 34 teilnehmenden OECD-Staaten auf Platz 31 und lag nur noch vor der Türkei, Chile und Mexiko. Doch nicht nur in Bezug auf das Lesen, auch in Hinblick auf das Schreiben, also die Rechtschreibung und Grammatik, liegt einiges im Argen. Auch die sogenannte Chat Sprache wird dafür verantwortlich gemacht, dass es mit der deutschen Sprache nicht mehr so wirklich klappen mag.

Schule: Österreich im Fokus

Im Schuljahr 2011/12 besuchten in Österreich 1,1 Millionen Schüler eine öffentliche Schule oder eine Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht. 3,5 % sind nicht versetzt worden. In der Regel schaffen mehr als 70 % der nicht versetzten Schüler durch Wiederholungsprüfungen bzw. Beschlüsse der Klassenkonferenz das Klassenziel. Welche Maßnahmen vonnöten sind, um Deutschschwächen zu überwinden, kann natürlich nicht pauschal beantwortet werden. Nicht immer führt eine gesteigerte Anstrengung zu den gewünschten Resultaten. Helfen Einsatz und Fleiß nicht, kann eine Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) vorliegen.

Was ist LRS? bzw. Was sind Lernstörungen?

LRS ist der Oberbegriff für alle Lernstörungen, die im Zusammenhang mit dem Erwerb von Schriftsprache stehen. Entsprechende Fähigkeiten im Bereich der Motorik, der Wahrnehmung und der Sensorik (z.B.: Hören, Sehen usw.) sowie deren Integration gelten als Voraussetzungen für den Schriftspracherwerb. Diese Fähigkeiten entwickeln sich vorwiegend in den ersten sechs Lebensjahren. Liegen Schwächen oder Störungen in einzelnen Bereichen (Teilleistungsschwächen) vor, können Schwierigkeiten beim Erwerb von Sprache und Schriftsprache ausgelöst werden. Die Legasthenie ist eine Sonderform der LRS. Eine durchschnittliche bis überdurchschnittliche Intelligenz und eine auffallende LRS gelten als Kennzeichen, wobei die übrigen Lernleistungen unbeeinträchtigt sind. So kann es sein, dass

  • in punkto Rechtschreibung Buchstaben spiegelbildlich geschrieben werden (q – p, d – b, n – u),
  • ein fehlendes Lese-Sinnverständnis vorliegt,
  • ähnlich klingende Laute nicht voneinander unterschieden werden können,
  • Gehörtes und Gesehenes nur schwer behalten werden kann oder auch
  • Konzentrationsstörungen vorliegen.

Die negativen Auswirkungen der Chat Sprache

Es gibt in Österreich viele Lehrer bzw. Pädagogen, die der Auffassung sind, dass Kinder und Jugendliche es durch das Chatten und Simsen verlernt haben, sich schriftlich verständlich und korrekt auszudrücken. Experten vertreten sogar die Meinung, dass in Österreich die schlechten Ergebnisse der PISA-Studie 2010 beim Lesen auf die Internet- und Handy-Kommunikation zurückzuführen seien. Kinder und Jugendliche verbringen zunehmend viel Zeit im Internet. Sie chatten mit ihren Freunden, Bekannten und auch Familienangehörigen – das Briefeschreiben ist längst out, weil auch im Vergleich zu zeitintensiv. Nicht die Hochsprache dient der Verständigung, sondern es werden Dialekte und Mundarten gepflegt. Durch Abkürzungen für Symbole und Begriffe wird verhindert, dass ganze Sätze geschrieben werden. Insbesondere Kinder und Jugendliche, die der Rechtschreibung und Grammatik nicht mächtig sind, unterhalten sich gar nicht mehr nach der Schrift. Das Abkürzen von Wörtern führt dazu, dass der eigentliche Lesefluss im Rahmen einer korrekten Sprache gestört wird. Die Chat Sprache kann demnach ihren Teil dazu beitragen, dass Deutschschwächen überhaupt erst zum Tragen kommen.

Chatten und Simsen als Chance

Das Chatten und Simsen per se stellt aber nicht das ausschlaggebende Problem in Hinblick auf Deutschschwächen dar – vielmehr das Chatten und Simsen in Dialekt oder Mundart. Würden Kinder und Jugendliche in korrekter deutscher Sprache miteinander kommunizieren, könnten die neuen Kommunikationsarten vielmehr dazu beitragen, Schwächen zu beseitigen oder gar nicht erst aufkommen zu lassen. Das Sprachgefühl könnte trainiert und somit positiv beeinflusst werden. Fest steht, dass der ständige Gebrauch von Dialekt-Ausdrücken, unkorrekt geschriebenen Wörtern und Abkürzungen sich negativ auf das Sprachgefühl auswirkt.

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