Bildungssystem in Österreich

Das Bildungssystem in Österreich

In Österreich wird das Bildungssystem durch den Bund geregelt. Schultypen sowie Lehrpläne sind bundesweit vereinheitlicht. Das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur übernimmt wichtige Aufgaben, darunter die Ausbildung der Lehrer und die Erhaltung der Schulen. Das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung nimmt sich entgegen der Steuerung des Universitäts- und Hochschulsystems an. Die Grundstruktur des österreichischen Bildungssystems stammt tatsächlich noch immer aus dem 19. Jahrhundert.

Schule in Österreich: Die Anfänge

Was heute als selbstverständlich gilt, war früher alles andere als das: Vor dem Jahre 1774 war die Bildung in den österreichischen Erblanden nämlich lediglich den oberen Gesellschaftsschichten vorbehalten. Klosterschulen waren die einzigen Bildungseinrichtungen. Leibeigene auf dem Land und die ärmeren städtischen Bevölkerungsschichten konnten sich die Schule nicht leisten und waren deshalb meist des Lesens und Schreibens nicht mächtig. Die älteste heute noch bestehende Schule Österreichs ist das Stiftsgymnasium Melk, das im 12. Jahrhundert als Klosterschule gegründet wurde.

Bildungssystem nimmt in Österreich Konturen an

Das staatliche Schulwesen entstand unter der Regentschaft von Maria Theresia. Sie erkannte im Zuge der Aufklärung, dass die Machtstellung nur mit Hilfe einer gebildeten Bevölkerung gewahrt werden konnte. Thronfolger Joseph II. reformierte die Bildung weiter und ließ viele Schulen bauen. Es wurde ein dreigliedriges Schulsystem eingeführt – die flächendeckende Volksschule stellte die Basis dar. In den Städten und größeren Orten wurden Hauptschulen etabliert. An der Spitze standen die sogenannten Normalschulen, wo auch die Ausbildung der Lehrer stattfand. Mädchen wurden übrigens erst im 19. Jahrhundert an Schulen zugelassen, das erste Mädchengymnasium wurde 1892 gegründet. Otto Glöckel hat schließlich Anno 1918 eine entscheidende und bis heute gültige Schulreform umgesetzt: Jedes Kind sollte unabhängig von Geschlecht und sozialer Lage eine optimale Bildung erhalten. 1927 wurde die Hauptschule als Pflichtschule für zehn- bis vierzehnjährige Kinder eingeführt.

Bildungsstufen im österreichischen Bildungssystem

Heute beginnt die allgemeine Schulpflicht in Österreich mit dem sechsten Lebensjahr und dauert neun Jahre. Ein Schuljahr umfasst zehn Monate (September bis Juni). Es ist möglich, zwischen privaten und staatlichen Schulen zu wählen – für staatliche Schulen sind keine Schulgebühren zu entrichten. Das österreichische Schulsystem bietet eine Vielzahl an Bildungswegen, damit die unterschiedlichen Bedürfnisse und Interessen der Kinder und deren Eltern gestillt werden können. Das österreichische Bildungssystem umfasst folgende Bildungsstufen:

  • Kindergarten: Der Kindergarten zählt nicht zum Schulsystem.
  • Primarstufe: Sie beginnt mit der Schulpflicht im Alter von sechs Jahren und umfasst vier Jahre gemeinsamen Schulbesuchs aller Kinder in der Volksschule. Etwa im Alter von 10 Jahren schließt die Sekundarbildung an.
  • Sekundarstufe I: Sie dauert vier Jahre (bis etwa zum 14. Lebensjahr). Die Vermittlung von Allgemeinbildung steht im Fokus. Je nach Interessen und Fähigkeiten werden unterschiedliche Schultypen angeboten: die Hauptschule (HS) und die Unterstufe einer allgemein bildenden höheren Schule (AHS). Seit dem Schuljahr 2008/2009 gibt es auf der Sekundarstufe I auch die Neue Mittelschule (NMS).
  • Sekundarstufe II: Es besteht die Möglichkeit, zwischen einer berufsbildenden und einer allgemein bildenden Ausbildung zu wählen. Eine berufsbildende Ausbildung kann entweder im Rahmen der Lehrlingsausbildung (duales System), in einer berufsbildenden mittleren oder einer berufsbildenden höheren Schule absolviert werden. Je nach Interesse und Neigung kann eine klassische humanistische, wirtschaftliche, naturwissenschaftliche, musisch-künstlerische oder sprachliche Richtung gewählt werden. Je nach gewähltem Ausbildungsgang dauert es drei bis fünf Jahre, um in der Sekundarstufe II einen Abschluss zu erhalten.
  • Postsekundär- und Tertiärstufe: Das Vorliegen einer Studienberechtigung wird vorausgesetzt. Diese wird durch Ablegung einer Reifeprüfung bei Abschluss einer höheren Schule (AHS oder BHS) erworben. Gleichgültig welche Ausbildung im Sekundarbereich gewählt wird, können Schüler später auch in den postsekundären (Akademien und Kollegs) und tertiären Bereich (Fachhochschulen und Universitäten) gelangen.
  • Weiterbildung: Die österreichische Weiterbildungslandschaft zeichnet sich durch eine große institutionelle Vielfalt aus: Schulen und Hochschulen, Bildungseinrichtungen der Sozialpartner, gemeinnützige Einrichtungen und private Anbieter. Das Alter der Teilnehmer

und Teilnehmerinnen an diesen Bildungsprogrammen liegt bei über 20 Jahren.

Österreich: Berufs- und Lehrlingsausbildung – postsekundäre und tertiäre Abschlussquoten

In Österreich genießt die Berufsbildung einen hohen Stellenwert. Etwa 80 % der Jugendlichen in

der zehnten Schulstufe sind in einem beruflichen Bildungsgang. Die Lehre wird als berufliche Ausbildung überaus geschätzt. 40 % aller Erwerbstätigen verfügen über einen Lehrabschluss als höchste abgeschlossene Ausbildung. Österreich liegt mit seinen postsekundären und tertiären

Abschlussquoten deutlich über dem EU-19-Ländermittel und dem OECD-Durchschnitt.

Bildungssystem: Der Schrei nach Reformen

Dass die Grundstruktur des österreichischen Bildungssystems aus dem 19. Jahrhundert stammt, ist nicht der einzige Kritikpunkt. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung „Soziale Gerechtigkeit in der OECD“ reiht Österreich beim gerechten Zugang zur Bildung unter 31 OECD-Staaten nur auf Platz 24. Fachleute und Politiker, Lehrer und Professoren, Eltern und Schüler schreien nicht erst seit gestern nach Reformen, wie diese jedoch im Detail auszusehen hätten, darüber besteht Uneinigkeit. Im Bereich Bildung wurden für das Jahr 2013 die Mittel nur moderat angehoben. Für 2013 stehen rund 8060 Millionen Euro für Unterricht zur Verfügung. Das Geld fließt großteils in bereits laufende Projekte, wie in den Ausbau der Neuen Mittelschule (120 bis 130 Millionen Euro) sowie in den Zuwachs der Ganztagsschulen (80 Millionen Euro) und die Verlängerung der Sprachförderung (23,9 Millionen Euro). Die Personalkosten betragen 85 Prozent der Mittel, also 6758 Millionen Euro.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.