Hilfe bei Hausaufgaben

Eltern, die sich an ihre eigene Schulzeit zurückerinnern, werden sicherlich in vielen Fällen wissen, dass auch sie Zeiten hatten, in denen es viele andere Sachen gab, die scheinbar wichtiger waren, als die Hausaufgaben zu erledigen. Befindet sich der eigene Nachwuchs nun ebenfalls in einer solchen Phase, ist es wichtig, umsichtig zu handeln und verschiedene Aspekte zu berücksichtigen.

Konzentrationsstörungen entgegenwirken

Wird in kritischen Momenten wiederholt falsch reagiert, führt dies vor allem in der Pubertät oft zu einem Trotzverhalten, das sich aufgrund von schlechten Noten unter Umständen auf die Zukunft auswirken kann. Kinder und Jugendliche stehen häufig vor verschiedenen Problemen, wenn es darum geht, die Hausaufgaben zu machen. Die Eltern können durch ein aufmerksames Beobachten des Nachwuchses und durch ein Gespräch in ruhiger Atmosphäre herausfinden, woran es scheitert.

Möglich ist beispielsweise, dass das Kind nach dem Unterricht müde und unkonzentriert ist. Georgine Müller, fachliche Leiterin des Münchener Schulamtes, rät dazu, dass es beim gemeinsamen Essen nach der Schule von seinen Erlebnissen berichten kann. Es ist wichtig, dass die Kinder jetzt loswerden können, wenn sie Sorgen haben oder etwas besonders Tolles erlebt haben. Nach der Mahlzeit kann eine Pause hilfreich sein, in der der Nachwuchs entweder spielen kann oder auch ein kurzes Nickerchen einlegt. Wichtig ist allerdings, dass eine feste Uhrzeit festgelegt wird, zu der mit den Hausarbeiten begonnen wird, damit sich der Schüler darauf einstellen kann.

Überforderung des Schülers

Merken die Eltern, dass das Kind mit den Aufgaben überfordert ist, sollten sie ihm auf keinen Fall die Arbeit abnehmen. Für den Schüler ist es wichtig, zu wissen, dass die Erwachsenen immer für ihn da sind und ihm helfen würden, dennoch sollte er die Arbeiten möglichst alleine durchführen. Für die Lehrer sind die Hausaufgaben eine Kontrollmöglichkeit, um zu überprüfen, ob alle Schüler den Stoff verstanden haben. Nehmen die Eltern dem Kind die Arbeit ab, entsteht ein falscher Eindruck beim Lehrer, der nun mit dem Lehrstoff fortfahren wird und unter Umständen einen verzweifelnden Schüler hinter sich lässt.

Eltern haben in dieser Situation verschiedene Möglichkeiten:

  • Sie erklären ihrem Kind die Aufgaben, kontrollieren aber anhand von Beispielen, dass es die Problematik verstanden hat und zukünftige Aufgaben eigenständig lösen kann.
  • Im Internet gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Informationen zu jedem Thema zu erlangen. Gemeinsam mit dem Nachwuchs wird recherchiert, um so der Lösung einen Schritt näher zu kommen.
  • Vielleicht gibt es im Familien- oder Freundeskreis jemanden, der sich mit der Thematik auskennt. Wichtig ist allerdings, dass der Schüler den Kontakt aufnimmt, auch wenn dies zuerst unangenehm sein mag. Er lernt so, Verantwortung zu übernehmen und auf andere Menschen zuzugehen – Punkte, die ihm bei weiteren Problemen helfen werden. Außerdem kann er direkt nachfragen, wenn er der Erklärung nicht folgen kann.
  • Entstehen häufiger Probleme in einem bestimmten Fach, kann es sich lohnen, professionelle Nachhilfe zu engagieren. Nachhilfe durch die Eltern oder Geschwister ist oft nicht von Erfolg gekrönt, da der emotionale Abstand fehlt und schnell eine gereizte Stimmung entsteht, wenn es scheinbar nicht schnell genug voran geht.
  • Wollen Eltern ihrem Kind einen Sachverhalt erklären, sollten sie einen separaten Termin dafür vereinbaren und ihn in kurzen Lektionen sowie in ruhiger Atmosphäre erklären.

Termindruck in der Freizeit

Möglich ist aber ebenso, dass der Schüler Angst hat, sich nicht mehr mit seinen Freunden treffen oder seinen Hobbys nachgehen zu können. Ratsam ist dann, dass für die Hausaufgaben eine feste Uhrzeit vereinbart wird, damit sich das Kind darauf einstellen und seine Freizeit entsprechend planen kann.

Viele Kinder haben heutzutage bereits im Schulalter einen regelrechten Termindruck, der entsteht, weil in der Freizeit zu viele Verpflichtungen entstehen. Eltern meinen es in der Regel gut, wenn sie ihrem Nachwuchs eine umfassende Ausbildung zugutekommen lassen wollen. Eine Sportart und ein Musikinstrument zu erlernen, ist in vielen Fällen sinnvoll, es kann für das Kind jedoch auch zu viel werden, sodass das wichtige Spielen mit Freunden auf der Strecke bleibt, wie die Kinderpsychologin Svenja Lüttgers im Interview beschreibt.

Natürlich kann es ebenso passieren, dass der Schüler von sich aus Wünsche äußert, dass er verschiedenen Vereinen beitreten möchte. Häufen sich dadurch die Termine und macht sich dieser Druck in mangelnder Konzentration in Schule und bei den Hausaufgaben bemerkbar, sollten Eltern einen Schlussstrich ziehen. Es ist dann sinnvoll, sich auf ausgewählte Aktivitäten zu beschränken, rät die Kinderpsychologin. Allerdings sollte das Kind entscheiden können, welche Termine es beibehalten möchte und welche vorerst pausieren.

Perfektion ist kaum zu erreichen

In den ersten sieben Lebensjahren entwickelt sich das Selbstwertgefühl eines Kindes. Schüler, die sehr perfektionistisch veranlagt sind, haben in der Regel kein besonders gut ausgeprägtes Selbstwertgefühl. Hinter der Suche nach Perfektion verbirgt sich oft, die Angst abgelehnt zu werden und zu versagen, wie die Psychotherapeutin Dr. Doris Wolf weiß.

Bei der Erfüllung der Hausarbeiten kann das dazu führen, dass der Schüler eine schwere Aufgabe nicht beginnen mag, weil er Angst hat, sie nicht zu seiner Zufriedenheit durchführen zu können und dann die Eltern enttäuschen zu müssen. Andererseits führt die Suche nach Perfektion dazu, dass für Arbeiten viel Zeit benötigt wird, da immer wieder Verbesserungen durchgeführt werden, die objektiv betrachtet kaum zu einer Veränderung führen.

Dieses Problem zu lösen, ist nicht einfach. Eltern sollten ihr Kind immer wieder loben und ihm zeigen, dass sie es auch dann lieben, wenn es Fehler macht. Auf Fehler hinzudeuten, wäre in einer solchen Situation kontraproduktiv, da das eventuell gerade aufgebaute Selbstbewusstsein wieder zerstört werden könnte.

Hilfe für verunsicherte Eltern

Eltern, die zwar wissen, dass ihr Kind Probleme bei den Hausarbeiten hat, aber unsicher sind, wie sie ihm bei der Bewältigung helfen können, können sich an den jeweiligen Lehrer des Unterrichtsfaches wenden. Er kann Auskunft darüber geben, wie lange der Schüler im Schnitt an den Aufgaben sitzen sollte.

Georgine Müller empfiehlt, dass Schüler der ersten und zweiten Klasse nicht länger als eine halbe Stunde täglich in die Hausaufgaben investieren sollten. Eine längere Dauer würde sie überfordern. Für den Lehrer ist wichtig, dass die Aufgaben richtig gestellt sind, damit die Kinder Erfolge spüren und motiviert bleiben. Haben Eltern den Eindruck, dass er zu viele Hausaufgaben verteilt oder den Unterrichtsstoff nicht ausreichend erklärt, sollten sie sich nicht scheuen, den Lehrer darauf anzusprechen. Nur so kann die Lehrkraft erfahren, dass es Probleme gibt.

Die Selbstständigkeit fördern

Schon im jungen Alter sollten die Kinder langsam daran herangeführt werden, Eigenverantwortung zu übernehmen. Das betrifft nicht nur die Hausaufgaben, die jeden Tag erledigt werden müssen, sondern kann auch andere Bereiche umfassen. Das Kinderzimmer aufzuräumen, ist mit Hilfe der Eltern nicht schwer und in wenigen Minuten erledigt. Auch beim Tischdecken oder Abräumen können schon kleine Kinder helfen.

Werden sie gelobt, wenn sie die Aufgabe gut durchführen, werden sie schon bald routiniert anpacken. Geht etwas dabei zu Bruch, sollte darüber hinweggesehen werden. Das Kind wirft sicherlich nicht absichtlich einen Teller zu Boden. Wird es jetzt ausgeschimpft, schrumpft das Selbstvertrauen und empfindliche Seelen werden beim nächsten Versuch unsicher sein – die Gefahr ist groß, dass dann erneut etwas kaputt geht und der Spaß an der Arbeit verloren geht.

Steigerung der Motivation

Im höheren Alter sollten die Schüler in der Lage sein, die Aufgaben selbstständig zu lösen. Dies klappt besonders gut, wenn von Anfang an Wert darauf gelegt wurde, eine Routine zu schaffen und ihnen dabei geholfen wurde, eigene Wege zu finden. Die Leiterin des Münchener Schulamts hat zudem die Erfahrung gemacht, dass die Motivation bei Kindern und Jugendlichen besonders hoch ist, wenn das Verhältnis zur Lehrkraft gut und vertrauensvoll ist. Dies ist ein weiterer Grund, warum sie empfiehlt, dass die Eltern sich bei Problemen an die Lehrer wenden sollten – im Gegensatz zum Verhältnis Erziehungsberechtigter-Kind sind hier keine persönlichen Konflikte vorhanden, die bei der Klärung eines Problems im Weg stehen könnten.

Einmischen – Ja oder Nein?

Besonders schnell können Konflikte entstehen, wenn Eltern sich ungefragt einmischen und ihren Kindern Hilfestellung geben wollen, die nicht verlangt wurden. Wie Alois Niggli von der Pädagogischen Hochschule Freiburg herausgefunden hat, neigen Erziehungsberechtigte vor allem dazu, wenn die Schüler schlechte Noten nach Hause bringen. Nachdem er etwa 1.400 Achtklässler befragt hat, fand er heraus, dass dadurch allerdings keine besseren Leistungen resultierten, sondern durch die psychische Belastung die Noten noch schlechter wurden.

Eltern sollten daher darauf warten, bis die Kinder um Hilfe bitten, da sie die Hilfe dann nicht als Einmischung empfinden und anders reagieren. Indirekte Hilfe zu geben, ist allerdings besser, als den Schüler zu stark auf die richtige Lösung hinzuweisen. Stattdessen kann er  ermuntert werden, selbstständig im Internet zu recherchieren. Ein paar Tipps dürfen natürlich gegeben werden, aber nur so viel, dass er immer noch selbstständig nachdenken muss. Kommt er von alleine auf die richtige Lösung, wird er umso stolzer sein.

Lernerfolg beeinflussen

Eltern hoffen häufig, dass sie einen großen Einfluss auf den Lernerfolg ihrer Kinder ausüben können und wollen daher unterstützend einwirken. In der sogenannten Hattie-Studie von 2009 untersuchte der Pädagoge John Hattie 50.000 Studien der Unterrichtsforschung, um herauszufinden, welche der 138 Einflussfaktoren besonders wichtig sind, damit Schüler einen guten Lernerfolg verbuchen können.

Wie herausgefunden wurde, spielen die Hausaufgaben eine eher untergeordnete Rolle genauso wie regelmäßige Tests. Wichtiger ist es, dass

  • die Schüler im Unterricht Herausforderungen erleben,
  • ein gutes Feedback erhalten
  • das Verhältnis zwischen Lehrer sowie Schüler positiv ist.

Egal wie alt ein Kind oder Jugendlicher jedoch ist, wichtig ist immer, dass es auch zuhause ermutigt und gelobt wird. Genau wie im Beruf der Erwachsenen macht die Arbeit viel mehr Spaß, wenn der Chef gelegentlich anerkennende Worte spricht.

Quellen:

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