Hochbegabung bei Kindern erkennen

„Die“ Hochbegabung gibt es nicht, stattdessen gibt es Menschen, die über verschiedene Fähigkeiten verfügen. Werden sie optimal in ihrem Umfeld gefördert, können sich die Fähigkeiten entwickeln und ungewöhnlich hohe Leistungen vollbracht werden. Allerdings spielt nicht nur die Intelligenz eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer Hochbegabung; auch das kulturelle Umfeld, in dem eine Person aufwächst, bestimmt, ob eine Fähigkeit als förderungswürdig angesehen wird.

Hochbegabung zu fördern, kann sinnvoll sein, wenn das Kind Spaß an der individuellen Fähigkeit hat und sich intensiv mit ihr beschäftigen will. Bevor die Hochbegabung jedoch gefördert werden kann, muss sie erkannt werden. Dies kann relativ schwer werden, da sich die Fähigkeiten oft nur versteckt zeigen oder es sogar zu Auffälligkeiten kommt.

Anzeichen für Unterforderung

Die Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e. V. kennt verschiedene Anzeichen, anhand derer Eltern eine mögliche außergewöhnliche Begabung erkennen können. Allerdings sind dies stets nur Hinweise, die allerdings weiter verfolgt werden sollten. Je nach Alter gibt es unterschiedliche Anhaltspunkte.

  1. Im Kindergartenalter langweilt sich das Kind häufig und ist ein Außenseiter. Es findet andere Dinge interessant als andere im gleichen Alter. Vielleicht fällt es negativ auf, weil es beim Spielen in der Gruppe stört.
  2. Kommt es in die Schule, kann der Schüler schlechte Noten haben, die unter Umständen dazu führen, dass er niedriger eingestuft wird, als es zu erwarten war. Dies liegt oft an der Langeweile und Unterforderung, die er empfindet, weil der Lernstoff zu einfach ist. Häufig fühlt er sich ausgegrenzt und versucht, dies durch den Status des Klassenclowns wettzumachen. Möglich ist aber ebenso, dass er aufgrund seiner schnellen Auffassungsgabe als Streber gilt und daher nicht anerkannt wird.
  3. Eltern bekommen die Probleme in Kindergarten und Schule oft nur wenig mit. Doch auch zuhause oder im Umgang mit anderen Menschen gibt es Hinweise, die Eltern deuten können. Vielleicht hält sich das Kind nicht gerne mit den Freunden in der Natur oder auf dem Spielplatz auf, sondern bastelt lieber alleine oder liest. Das Hobby muss akkurat durchgeführt werden, bevor es sich mit dem Ergebnis zufrieden gibt. Bei Streitigkeiten oder Missverständnissen reagiert der Nachwuchs oft sehr empfindlich.

Das Marburger Hochbegabtenprojekt

Allerdings ist nicht jedes Fehlverhalten mit gesteigerter Intelligenz gleichzusetzen. Prof. Dr. Detlef H. Rost, Initiator des Marburger Hochbegabtenprojektes, vermutet, dass viele Eltern ihren Kindern gerne diese Qualität zuschreiben, um damit ein schlechtes Benehmen zu verschleiern.

Bei der Marburger Studie von 1993 untersuchte er mehr als 7.000 Drittklässler und fand unter ihnen lediglich 151 Schüler, die unter die Kategorie Hochbegabung fallen . Er konnte anhand der Daten zeigen, dass Mädchen und Jungen mit einer überdurchschnittlichen Intelligenz häufiger aus höheren Schichten stammen. Zum einen wird Intelligenz zum Teil vererbt, zum anderen wird das Kind in solchen Familien schon früh gefördert, um seine Fähigkeiten zu entwickeln.

Hochbegabung wird oft nicht erkannt

Besonders die Verweigerung der Kinder in der Schule fällt bei vielen Hochbegabten auf. Eventuell wird die hohe Intelligenz sogar erst dann bemerkt, wenn sich der Leidensdruck bereits durch schlechte Noten bemerkbar macht oder es sogar eine Klasse zurückgestuft wird. Häufig versäumen die Schüler es jetzt, Grundlagen auswendig zu lernen, weil sie ihnen zu einfach zu erscheinen. Im späteren Verlauf kann ihnen dieses Wissen fehlen, was dann dazu führen kann, dass sie Aufgaben nicht in der vorgegebenen Zeit erledigen können.

Die Kinder leiden unter der Situation, wie sie sich in ihrem Umfeld darstellt und fühlen sich oft nicht akzeptiert. Das Leiden ist unter Umständen groß, wenn die Eltern ihren Nachwuchs ausbremsen. Dies passiert in der Regel nicht, weil sie ihr Kind nicht lieben, sondern weil sie nicht wissen, wie sie mit ihm umgehen sollen. Ein Kind, das bereits mit einem Jahr beginnt, in ganzen Sätzen zu reden oder mit drei Jahren sich selbst das Lesen beibringt, erscheint für einige Eltern eher unheimlich und wird nicht weiter beachtet, anstatt diese Fähigkeit zu fördern.

Die Kinder stellen oft viele Fragen, geben sich mit einfachen Antworten nicht zufrieden und hinterfragen sie, beobachten sehr gut und beschäftigen sich mit philosophischen Aspekten wie Gut und Böse sowie Recht oder Unrecht. Reagieren die Erziehenden negativ auf ihr Kind, ist es wahrscheinlich, dass es sich nicht akzeptiert fühlt und in seine eigene Welt zurückzieht. Mögliche Auswirkungen sind dann, dass sich gesteigerte Aggressionen oder Depressionen entwickeln.

Hochbegabung nachweisen

Zeigt das Kind Beschwerden von Körper oder Psyche, ist es wichtig, dass Eltern den Kinderarzt aufsuchen. Hört er aufmerksam zu, wird er vielleicht bald den Verdacht auf eine Hochbegabung lenken und einen Intelligenztest anordnen. Dieser findet im Allgemeinen bei einem Kinderpsychologen statt, der idealerweise schon mehrere dieser Kinder betreut hat.

Ein spezieller Test für Kinder und Jugendliche ist der Hamburg-Wechsler-Intelligenztest. Er wird ab einem Alter von sechs Jahren durchgeführt. In verschiedenen Bereichen wie Arbeitsgedächtnis, Sprachverständnis, logisches Denken sowie weiteren müssen die Teilnehmer verschiedene Aufgaben durchführen. Durch die Gesamtheit der Punkte ergibt sich schließlich der Intelligenzquotient (IQ).

Nicht auf den IQ beschränken

Ist er höher als 130, wird in der Regel von Hochbegabung gesprochen. Doch auch wenn bereits 115 erreicht wird, liegt eine Begabung vor, die über dem Durchschnitt liegt und daher von den Eltern gefördert werden kann. Allerdings ist der IQ lediglich eine Zahl und wird von Experten nicht uneingeschränkt angenommen; sie ist allerdings hilfreich zur Einschätzung. Da ein Kind, das über einen längeren Zeitraum gelernt hat, sich zurückzunehmen, um mit seinen Fähigkeiten nicht anzuecken, sich eventuell auch während des Intelligenztest zurücknimmt, sind Fehlurteile, die sich lediglich auf den IQ beschränken, möglich. Im Allgemeinen beobachtet der Psychologe daher das Kind bei der Beschäftigung mit den Aufgaben sehr genau und schließt aufgrund des Verhaltens Rückschlüsse. Auch das Vorgespräch mit dem Nachwuchs kann für den Fachmann aufschlussreich sein.

Eltern, die bei ihrem Kind einen Intelligenztest durchführen lassen und von einem positiven Ergebnis überrascht beziehungsweise bestätigt werden, sollten nicht vergessen, sich einen Ergebnisbericht aushändigen zu lassen. Daran können Eltern erkennen, in welchen Bereichen die Förderung besonders hilfreich sein kann.

Verschiedene Faktoren kommen zusammen

Damit aus dem hohen IQ eine wirkliche Hochbegabung entstehen kann, müssen aber verschiedene Faktoren zusammenkommen:

  • Das Kind muss motiviert sein.
  • Es muss kreativ denken können.
  • Es muss Stress bewältigen können.
  • Auf mindestens einem Gebiet benötigt es überdurchschnittliche Fähigkeiten.
  • Es müssen Bedingungen vorliegen, in denen sich die Hochbegabten optimal entwickeln können.

Allerdings scheint es nicht notwendig zu sein, die Kinder auf spezielle Schulen für Hochbegabte zu schicken, wo es seine Fähigkeiten noch weiter vertiefen kann. Stattdessen sollte es ihm ermöglicht werden, Kontakt zu Freunden aufzubauen und sich in der Natur frei zu bewegen, zu toben und zu spielen. Dies sind Bereiche, in denen seine Fähigkeiten bisher nicht ausreichend gefördert wurden und die es jetzt nachzuholen gilt.

Eltern sollten bei der Unterstützung ihrer intelligenten Kinder immer daran denken, dass der Nachwuchs mit Begeisterung und Spaß bei der Sache sein sollte. Es geht nicht darum, die Träume der Eltern zu verwirklichen, sondern dem Kind einen optimalen Start ins Leben zu ermöglichen.

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One thought on “Hochbegabung bei Kindern erkennen”

  1. Elke Pross

    Hallo!
    Ich denke bei meinem 3 jährigen könnte eine Hochbegabung dahinter stecken.
    Er hatte schon in sehr jungen Jahren(Ca. 15 Monaten) grosses Interesse an Symbolen…speziell Automarken und andere diverse Dinge. Eigentlich ganz untypisch für ein Kleinkind seines Alters. Mittlerweile sind es alle Traktortypen was er kennt. Sein Interesse ist sehr gross das er vieles hinterfragt, und er nicht mehr aufhört seinen Wissensdurst zu stillen. Meine Frage wäre….: Was kann ich genau tun, das er später einmal keine Probleme hat. Derzeit geht er Kindergarten und laut der Pädagogin ist es zwischendurch sehr schwierig mit ihm.
    MfG
    Elke

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