Lehrermangel in Österreich

Drohender Lehrermangel in Österreich im Schuljahr 2013/14

Das Schuljahr 2013/14 hat in Österreich schon begonnen. Die Schulen in Wien, Niederösterreich und Burgenland haben am 2. September 2013 ihre Pforten für die Schüler und Schülerinnen geöffnet, in den anderen Bundesländern wurde das neue Schuljahr eine Woche später eingeläutet. Alles wäre schön und gut, würde der Lehrermangel nicht schon besorgniserregende Ausmaße annehmen. Im Osten Österreichs fehlten kurz vor Schulstart hunderte Lehrer. Studenten und pensionierte Lehrer mussten erneut einspringen, um den Bedarf an Lehrkräften zu decken. Das Phänomen ist nämlich kein neues, bereits im vergangenen Schuljahr 2012/13 musste ein enormer Lehrermangel verzeichnet werden.

Wien, Niederösterreich, Kärnten und Salzburg – Not am Lehrer?!

Am eklatantesten ist der Lehrermangel in Wien. Insbesondere in Fächern wie Chemie, Latein, Physik oder Mathematik mangelt es an Lehrpersonen. Laut Stadtschulrat gilt in Wien demnach für jeden Jung-Lehrer eine Jobgarantie, jeder soll fix einen Arbeitsplatz bekommen. In Niederösterreich müssen im Schuljahr 2013/14 200 Lehramts-Studenten an Gymnasien unterrichten. Hier wurden heuer etwa 100 der knapp 8000 Planstellen an den höheren Schulen mit insgesamt 200 Studierenden besetzt. Betroffen sind vor allem die Fächer Englisch und Physik – für Französisch etwa gäbe es dagegen einen Überschuss, so der Landesschulrat. Während es in Wien und Niederösterreich an Lehrern der Naturwissenschaften mangelt, fehlen in Kärnten und Salzburg vor allem Sonderschullehrer

Lehrermangel in Vorarlberg, Oberösterreich, Steiermark und Tirol

In Vorarlberg fehlten vor dem Schulstart 40 Hauptschullehrer – diese wollte man durch gezielte Werbeaktionen aus anderen Bundesländern abwerben. In der Steiermark gibt es Bedarf in Landbezirken, aber ein sehr gutes Personalangebot in anderen Bereichen. In Tirol soll es lediglich Probleme bei der schulischen Tagesbetreuung im ländlichen Raum sowie minimale Personalmängel mitunter in Mathematik an den Bundesschulen geben. In Oberösterreich soll es für Volks- und Hauptschulen sogar zu viele Lehrer geben, an den höheren Schulen besteht jedoch ein Mangel an Englischlehrern – es helfen einige pensionierte Lehrer aus. Wie im letzten Schuljahr wird aber auch auf Pädagogen zurückgegriffen, die ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen haben. Schon vor einem Jahr waren zu Beginn des Schuljahrs 2012/13 ganze 370 Lehrerinnen und Lehrer in Wien beschäftigt, ohne ihre Ausbildung beendet zu haben. Für das heurige Schuljahr wurden in den Medien noch keine Vergleichszahlen veröffentlicht.

Kein weiser Ratschlag

In Bezug auf die Problematik „Lehrermangel“ gibt es viele Meinungen – egal ob von Seiten des Volkes oder der Politik. Auch Ex-Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP), die in einem inzwischen legendären Brief Maturanten davon abgeraten hat, ein Lehramt zu studieren, wird zumindest ein Teil der Schuld zugeschoben: Angesichts der zahlreichen Pensionierungen und der neuen Mittelschule, die mit Schulbeginn um 255 Standorte erweitert wurde, war dies kein weiser Ratschlag. Es sind sogar zusätzliche Pädagogen vonnöten, da an den Hauptfächern dort zwei Lehrer statt eines Lehrers vorgesehen sind.

Ein Blick in die Zukunft: Wird es auch künftig an Lehrern mangeln?

Für die Zukunft gibt es Grund zur Zuversicht, da seit einigen Jahren die Lehramtsstudien wieder boomen. Seit 2007 hat sich die Zahl der Studenten an den Pädagogischen Hochschulen (PH) auf 15.000 verdoppelt. In Wien schlägt sich das bereits im Schuljahr 2013/14 nieder. Und auch das neue Dienstrecht mit höheren Einstiegsgehältern soll mehr junge Menschen zum Lehrerberuf motivieren. Aber es kommen auch neue Lücken auf die Schulen zu – bis zum Jahr 2025 wird etwa die Hälfte der Lehrer in Pension gehen.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.